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Coras Schreibtisch

Indische Feste

Posted by Cora on 7. März 2016
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Kleine Sammlung indischer Feste und Brauchtums über das Jahr, wird laufend fortgeführt.

 

Holi

Holi (Hindi, f., होली, holī) ist ein aus der hinduistischen Überlieferung stammendes indisches Frühlingsfest am ersten Vollmondtag des Monats Phalgun (Februar/März). Dieses „Fest der Farben“ dauert mindestens zwei, in einigen Gegenden Indiens auch bis zu zehn Tage.

Holi ist eines der ältesten Feste Indiens. Fünf Tage nach Vollmond ist Rangapanchami (Ranga = Farbe; Pancami = der 5. lunare Tag), der zweite Tag des Festes. An diesem Tag scheinen alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichen Status aufgehoben. Es wird ausgelassen gefeiert und man besprengt und bestreut sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder, dem Gulal. Wer den Übermut ablehnt, bestreicht sich gegenseitig zumindest dezent mit etwas Pulverfarbe. Trotz aller Veränderungen in der modernen indischen Gesellschaft ist die sakrale Bedeutung weiterhin deutlich erkennbar, so werden etwa die Farben noch heute meist vorher auf dem Altar geweiht und die Menschen überbringen Segenswünsche. Ursprünglich entstanden die Farbpulver aus bestimmten Blüten, Wurzeln und Kräutern, die heilend wirken. Heute kommen häufig synthetische Farben zum Einsatz, die teilweise sogar schädlich sein können.”

Quelle: Wikipedia

Bildquelle: http://edition.presstv.ir/detail.fa/295423.html

Das nächste Holi-Fest wird ab Montag, dem 13. März 2017 zwei Tage lang gefeiert.

 

 

Shivaratri

“Shivaratri oder Mahashivaratri, die Nacht des Shiva, ist im Hinduismus ein wichtiger Feiertag. Für die Verehrer des Gottes Shiva ist es das höchste Fest, die heiligste aller Nächte. Nach dem Hindu-Kalender findet der Feiertag am 14. Tag des Monats Phalguna, nach modernem Kalender Ende Februar/Anfang März statt.
Hindus aller Traditionen feiern mit Fasten, Durchwachen der Nacht und mit Gebeten diesen Tag; vor allem Frauen fasten und erbitten Segen für ihre Ehemänner. Wer nicht an einer Pilgerfahrt teilnehmen kann, besucht den nächsten Tempel oder zelebriert die Anbetung zuhause. Gläubige übergießen rituell ein Linga mit Wasser, Milch, Joghurt, Butter und Honig und schmücken es mit den Blättern eines heiligen Baumes, des Bel (auch Bheel).”

Quelle: Wikipedia

Bildquelle

Auf den Blogseiten von Yoga Vidya steht ein ausführlicher Artikel über Shiva. *klick*

Shivaratri 2017 wird am Samstag, dem 25. Februar gefeiert.

Vom 12. bis 26. Oktober 2013 stelle ich den Schreibtisch im schönen Mojacar auf und erkunde Andalusien. Die Krönung eines ereignisreichen Sommers – bis zu meiner Rückkehr wünsche ich Euch eine gute Zeit!

 

 

 

Rozumiem! – Ich verstehe!

Posted by Cora on 26. September 2013
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Rozumiem! – Ich verstehe!

Mein Polnischkurs in Krakau

Wie viele Gespräch an der Notrufsäule führe ich in einer Fremdsprache? Gefühlt mindestens fünfzig Prozent. Selbst Melder, die eigentlich im Deutschen recht sattelfest sind, verfallen in dieser besonderen Stresssituation an der Säule gern in ihr Heimatidiom. Sich in der eigenen Sprache ausdrücken zu können beruhigt, verleiht Sicherheit und hilft dem Melder dabei, die Informationen über den Standort und über die Situation vor Ort gezielt zu übermitteln. Im Gegenzug kann ich als Agentin sicher sein, dass der Melder meine Sicherheitsabfragen zu Beginn und die Hinweise am Ende des Gesprächs vollständig zur Kenntnis nimmt (“Haben Sie Warnblinker an?” – “Ja, ja!”. “Haben Sie ein Warndreieck aufgestellt?” – “Ja, ja!”. “Sie verstehen nicht ein Wort von dem, was ich sage – richtig?” “Ja, ja!”).

Erst gestern wurde ich wieder gefragt, warum ich ausgerechnet zwei Wochen nach Krakau gefahren bin. Nun, die Antwort ist einfach: Die Firma bot für die Notrufagenten Sprachkurse an, Englisch, Russisch und Polnisch. Englisch und Russisch konnte ich schon. Also habe ich an dem Polnischkurs teilgenommen. Außerdem war ich vor gut zwanzig Jahren mit dem Auto nach Auschwitz gefahren und hatte auf der Rückfahrt kurz in Krakau Station gemacht. Ich erinnerte mich an den großzügig angelegten Marktplatz inmitten der Altstadt, an die vielen alten Blumenfrauen auf dem Markt und an diverse Stände mit Silberschmuck. Die Atmosphäre war unglaublich friedvoll und gleichzeitig aufregend gewesen. Die ganze Stadt atmete Geschichte! Ich schwor mir, eines Tages wiederzukommen, um sie genauer kennen zu lernen. Kurz: Ich hatte unglaublich große Lust auf diese Stadt. Unser Firmen-Polnischkurs ging bereits in die zweite Staffel und so wurde es Zeit, das bisher erworbene Wissen im Land selbst zu erweitern und zu vertiefen. Ich durchpflügte das Internet nach geeigneten Angeboten und wagte es schließlich sogar, nach “Polnisch Bildungsurlaub Krakau” zu googeln. Tatsächlich wurde ich schnell fündig: Die PNTA (Deutsch-Polnische Gesellschaft) bietet Sprachkurse direkt in Krakau an, die in Hamburg als Bildungsurlaub anerkannt sind. Großartig! Ich kaufte einen großen, blauen Koffer und ein Zugticket, setzte mich in den Berlin-Warschau-Express und fuhr ins Unbekannte. So ist das gekommen.

Krakau empfängt seine Besucher im Sommer mit einem unwiderstehlichen Charme. Irgendetwas, städtisch angesiedelt zwischen Paris und Simferopol, liegt in der Luft. Fin de Siécle trifft auf spätkommunistischen Gigantomanismus. Katholizismus praktiziert neben Jeunesse dorée. Dazwischen tauchen immer wieder wir Deutschen auf, prügelten uns bei Tannenberg, trugen kulturell zum Stadtbild bei, machten im zweiten Weltkrieg eine denkbar schlechte Figur und dominieren heute ganze Straßenzüge und Einkaufskomplexe mit Rossmann-Drogerien, Saturn-Filialen und Mediamärkten. Nach meiner Ankunft übernachtete ich in einer deutschen Pension in der Nähe des Hauptbahnhofs, gönnte mir einen freien Sonntag zur ersten Erkundung meiner neuen Umgebung und zog dann am Abend zu Maria Herian, einer alleinstehenden Großmutter aus dem Ortsteil Nowy Kleparz, und ihrem Hündchen Kora (Unterkunft im Kurspreis inbegriffen). Am nächsten Morgen stellte ich mich den Aufnahmeprozeduren meiner Sprachschule.

Nach drei Monaten zielgerichteten Spracherwerbs und intensiven Vokabeltrainings fühlte ich mich zu fortgeschritten für den Anfängerkurs und absolvierte einen Einstufungstest. Dessen erster Teil bestand aus Fragen zur Grammatik, die mit dem multiple-choice-Verfahren zu beantworten waren. Dank meines Slawistik-Studiums kam ich ziemlich weit: Was ich nicht wusste, konnte ich aus dem Russischen oder aus dem Altslawischen ableiten. Der zweite Teil bestand aus einer leeren Seite mit der Überschrift: “Mój dzien” (Mein Tag). Nach kurzem, vergeblichem Überlegen ließ ich die Seite so, wie sie war. Auf die schriftliche Prüfung folgte dann eine mündliche Befragung. Ich scheiterte grandios bereits an der zweiten Frage: “Woher kommst Du?” (meinen Namen hatte ich gerade noch sagen können). Die Lehrerin wirkte leicht irritiert, offensichtlich hatte sie nach dem schriftlichen Test mehr von mir erwartet. Dann aber fragte sie mich nach meinem Job. Und endlich konnte ich glänzen! Erfreut schilderte ich ihr in fließendem Polnisch einen kompletten Massenunfall mit LKWs, PKWs, zwei blockierten Fahrspuren und mehreren Verletzten auf der A2 Richtung Berlin. Nur so als Beispiel. Dann drehte ich den Spieß um und befragte sie nach ihrem eigenen Fahrzeug. Als wir damit durch waren, lief ich zu innerer Hochform auf, erfreute sie und mich mit den abschließenden Sicherheitshinweisen, bat sie, noch eine Warnweste anzuziehen und beschloss meinen kleinen Vortrag mit dem Satz, mit dem ich am allerliebsten einen Notrufcall beende: “Alles wird gut.” Meine Lehrerin lächelte freundlich – und packte mich dann in den Kurs der Leute mit den merkwürdigen Vorkenntnissen. Was für mich zwei äußerst arbeitsintensive Wochen zur Konsequenz hatte. Denn Polnisch ist eben nicht gleich Russisch, und was am Anfang ein Segen schien, entpuppte sich spätestens bei den Vorbereitungen zum Abschlusstest als Fluch. Genitiv Plural! Ordnungszahlen! Possessivpronomen! Und zur Krönung des Ganzen: Die Uhrzeit.

Nachmittags nach dem Unterricht erkundete ich Krakau. Ich aß Pirogen mit Quark, Pirogen mit Pilzfüllung und Pirogen mit Soße und schwelgte in altpolnischer Küche, die für mich Nicht-Karnivoren viele gemüsige Schmankerln bereit hielt: zahlreiche verschiedene Kohlarten, Borschtsch und Pilze, Kartoffeln und Eier, auf unterschiedlichste Art zubereitet. Für mein Abendessen zahlte ich im Restaurant zwischen zwei und fünfzehn Euro, nie mehr. Mein Lieblingsrestaurant wurde das “Glonojad” (“Algenfresser”), eine vegetarische Bar am Plac Matejki in unmittelbarer Nähe der Innenstadt – und der Straßenbahnhaltestelle Richtung Bronowo, wo mich allmorgendlich mein Sprachkurs erwartete. Hier gab es Milchkaffee mit Sojamilch, frische Smoothies und meine geliebtes “jaiko sadzone” zum Frühstück – Spiegelei. Kulinarisch reiste ich in meinen zwei Wochen in Krakau einmal um den Globus. Ich aß polnisch, italienisch, polnisch, indisch, Thai, polnisch, chinesisch und wieder polnisch. Und jüdisch: den ersten gefilten Fish meines Lebens. Während neben mir eine Klezmerkapelle alles aus Fidel, Bass und Akkordeon herausholte, was nur irgendwie möglich war.

Krakau ist voller Legenden. Jede Straße, ja sogar jedes Gebäude erzählt seine eigene Geschichte! Krakau hat einen Hexenmeister, Pan Twardowski, der unserem Doktor Faustus nicht unähnlich ist. Nikolaus Kopernikus hat hier studiert. Der Maler Jan Matejko, ebenfalls in Krakau beheimatet, prägte mit seiner Kunst nicht nur das Interieur der zauberhaften Marienkirche auf dem Rynek, dem Marktplatz im Zentrum – seine Werke prägten gar entscheidend das polnische Selbstverständnis als eigenständige Nation. Oskar Schindler übernahm im Stadtteil Podgorze seine Emaillefabrik, die ihm die Rettung tausender Juden vor der Vernichtung ermöglichte. Trotzdem starben unzählige Menschen im Konzentrationslager Plaszow, in unmittelbarer Nähe des Krakauer Ghettos. Das Ghetto überlebte ein kleiner Junge namens Roman Polanski, heute als Filmemacher mehrfahrer Oscarpreisträger. Kazimierz, das alte jüdische Viertel, wird heute von jungen Juden, Künstlern und Studenten aus aller Welt wiederbelebt – es brodelt in den alten Gassen an allen Ecken und Enden. Am nördlichen Rand von Kazimierz findet man das Frania Café, Krakaus urigsten Waschsalon, der bis Mitternacht geöffnet ist – und geht man von dort die Hauptstraße herunter, findet sich nach ein paar hundert Metern die beste Eisdiele der Galaxis.

Die meisten Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg herum sind tragisch. Eine findet ein versöhnliches Ende und sei darum hier kurz wiedergegeben: Die Geschichte vom kleinen Szachne. Szachne heißt heute Stanley Berger und wohnt in Kanada. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Eltern Helena und Jozef Hiller waren 1942 zusammen mit ihrem kleinen Sohn ins Ghetto von Podgorze gekommen. Mit der Hilfe des polnischen Widerstands gelang es Helena Hiller, ihren kleinen Sohn bei polnischen Pflegeeltern unterzubringen. Sie hinterließ ihm drei Briefe, bevor sie und ihr Mann verschwanden: Kurz nachdem sie ihren Sohn übergeben konnte, wurde das Ghetto liquidiert. Die polnische Pflegefamilie zog den kleinen Szachne auf, wie ihren eigenen Sohn. Sie behielten den Jungen auch nach dem Krieg und gaben ihm eine glückliche Kindheit. Um bei den Nachbarn keinen Argwohn zu erregen, überlegten sie sich, den Jungen taufen zu lassen und riefen den Priester zu Hilfe, um gemeinsam zu überlegen, wie man die Taufe bewerkstelligen könnte, ohne dass Szachne als Überlebender des Holocaust stigmatisiert wurde. Der Priester kam – und entschied zur großen Verwunderung der Familie, dass man den Wünschen der Mutter des Jungen Folge leisten solle, so wie sie es in ihren Briefen beschrieben hatte: Der Junge solle sich immer auf den Glauben seiner Väter besinnen und stolz auf diesen sein. Ein weiterer Brief war an entfernte Verwandte in Kanada gerichtet, und schweren Herzens machte sich die polnische Pflegemutter auf, diese Verwandten zu finden. Wenig später schickten sie Szachne nach Kanada. Szachne vergaß seine polnischen Eltern nie. Er hielt den Kontakt aufrecht und unterstützte sie später finanziell, als er ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden war. Während eines Telefonats in den siebziger Jahren entschloss sich seine polnische Pflegemutter, ihm endlich die Geschichte zu erzählen, warum sie ihn nach Kanada geschickt hatten. Und stolz berichtete sie ihrem Jungen, dass eben dieser Krakauer Priester, der ihnen damals geraten hatte, den Glauben und den Wunsch seiner Mutter zu respektieren – dass dieser Priester soeben zum Papst gewählt worden war.

Am Ende meines zweiwöchigen Aufenthalts in Krakau konnte ich nicht nur die Uhrzeit auf Polnisch sagen. Ich konnte auch mitteilen, wie ich heiße und woher ich komme. Und erzählen, wie ich meinen Tag verbracht hatte und dass ich gern Spiegeleier zum Frühstück esse. Losgelöst von meinem Alltag habe ich es genossen, eiskalt einzutauchen in eine neue und fremde Kultur – die schlussendlich meiner eigenen viel näher steht, als ich zunächst angenommen hatte. Ich weiß jetzt, warum der Trompeter der Krakauer Marienkirche mitten im Spiel abbricht, wenn die volle Stunde schlägt. Ich bin auf den Spuren von Oskar Schindler durch die ganze Stadt gelaufen und habe die Villa des Lagerkommandanten Amon Göth von innen gesehen. Ich habe auf Polnisch mein Essen bestellt und mit den Marktfrauen geschachert. Am Ende hätte mein großer, blauer Koffer beinahe kapituliert vor lauter zusätzlichen Mitbringseln. An der herrlichen Wawel-Schokolade esse ich bis heute. Und freue mich schon heute auf die dritte Staffel unseres Firmen-Polnischkurses, die im September beginnt.

Meinen polnischen Anrufern kann ich jetzt auch einen schönen Tag wünschen. Danach sage ich immer noch “alles wird gut.”

Corinna Kahl

PS: Weitere Infos zur PNTA und den Sprachkursen in Krakau: www.polnischkurse.org

PPS: Weitere Geschichten aus Krakau erzähle ich in meinem Blog auf www.coras-schreibtisch.de

PPPS: Wir haben in der Firma derzeit niemanden, der Rumänisch spricht! Cluj soll ja auch sehr schön sein…

Dieser Artikel erschien zuerst im September 2013 in MEGAFON Ausgabe 4/2013

"Twardowskis Felsen" in Krakaus unmittelbarer Nähe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jede Stadt hat ihren Hexenmeister.

Krakau hat Pan Twardowski. Der Herr Twardowski verkaufte seine Seele dem Teufel, beschwor die Bildnisse von Verstorbenen und jagte bei seinen zahllosen Experimenten ganze Gebirgsketten in die Luft. Pan Twardowski war ein vielbeschäftigter Magier – und vielleicht sogar ein Deutscher.

In Nürnberg geboren wurde nämlich ein deutscher Adeliger namens Laurentius Dhur oder lateinisch Durus, der in Wittenberg Magie studiert hatte und von 1565 bis 1573 in Krakau lebte, am Hofe des Königs Sigismund II. Das Lateinische “durus” entspricht dem polnischen “twardy” (beides bedeutet “hart”). Auch sind Ähnlichkeiten im Lebenslauf mit dem eines gewissen Herrn Doktor Johann Faust sicherlich nicht ganz zufällig, wird doch auch Pan Twardowski hin und wieder mit dem Vornamen “Jan” angesprochen.

 

Als Pan Twardowski in Krakau lehrte, war die Barbakane (ein Festungstor gebaut etwa 1498) mit damals gerade einmal 65 Lenzen auf dem Buckel noch relativ jung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pan Twardowski studierte am Collegium Maius, einer der ersten Universitäten Europas – nur wenige Jahre nach Nikolaus Kopernikus (dessen Hinterlassenschaften noch heute dort bewundert werden können). Er soll ein fleissiger Student gewesen sein, dem aber irgendwann der an der Uni vermittelte Lehrstoff einfach nicht mehr genügte. Ihm dürstete es nach den wahren Mysterien des Lebens: Dem Stein der Weisen und dem Geheimnis ewiger Jugend. Und so richtete er sich nicht weit vom Stadtzentrum in der Nähe des Dorfes Zakrzówek ein geheimes Alchimistenlabor ein, in welchem er damit begann, schwarze Magie zu betreiben. Bis – nun ja, bis eines der Experimente gewaltig in die Hose ging.

 

Irgendwann hat es gekracht. Der Felsen brach auf, und seit etwa 1990 entstand um den Krater herum ein flaschengrüner See

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Twardowskis Felsen” ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Hier lässt es sich wunderbar wandern, grillen oder tauchen. Inmitten des Sees liegt ein havariertes Boot, an den Seiten sollen sich bis heute geheimnisvolle Höhlen befinden. Der See ist rundherum abgesperrt, und zahlreiche Verbotsschilder warnen vor den Gefahren des Steinschlags oder des Ertrinkens.
Zurück zum Thema.

Kurz, es lief nicht rund für Herrn Twardowski. Und so entschloss er sich dazu, seine Seele dem Teufel zu verkaufen – natürlich unter der Voraussetzung, dass ihm dieser Deal große Achtung und vor allem Erfolg in seinem Metier einbringen sollte. Der Teufel, so sagen es die Legenden, war begeistert und willigte ein. Als Eckdaten wurden vereinbart, dass der Teufel Herrn Twardowski zu Willen zu sein hatte. Twardowskis Seele hingegen sollte des Teufels sein, sobald es diesem gelänge, drei besonders schwierige Aufgaben zu erfüllen. Adam Mickiewicz (welcher wohl für einen weiteren “Pan” keine Verwendung fand) berichtet in seiner Ballade “Pani Twardowska” (“Frau Twardowski”) vom erfolgreichen Teufel, dem die ersten beiden Prüfungen nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiteten.

 

 

Polens großer Nationaldichter Adam Mickiewicz steht heute vor den Tuchhallen auf dem Rynek und dient Schulklassen als geschichtsträchtiger Hintergrund.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die dritte Prüfung brach dem Teufel das Genick. Lautete die Aufgabe doch, ein Jahr in “Treu und Glauben” zusammen mit Frau Twardowski zu verbringen. Der Teufel versuchte es gar nicht erst. Sondern verschwand pfeifend durch ein Schlüsselloch. Pan Twardowski war zunächst gerettet, und konnte die Vorzüge des Teufelswerks in aller Seelenruhe auskosten.

In Podgorze gründete er ganz in der Nähe der Kirche des heiligen Josef eine Zauberschule.

 

Die Kirche des Heiligen Josef in Podgorze vor den Stadttoren Krakaus, der Platz war auch Teil des jüdischen Ghettos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Nähe des Dörfchens Ojcow (heute der kleinste Nationalpark Polens) ließ er den Teufel Felsenformationen ganz nach seinem Willen formen – das bekannteste Beispiel ist die “Nadel des Herkules”. (Anmerkung: Leider war dieser Felsen viel zu weit von meiner Wanderroute entfernt, und so muss ich den Fotobeweis hier schuldig bleiben – ich hoffe jedoch, mit dem “Krakauer Tor” das Auge des geneigten Lesers ansatzweise entschädigen zu können).

 

Die Felsen "Krakauer Tor" - wenn da nicht gleichfalls der Teufel seine Hände im Spiel hatte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es stieg mit wachsendem Erfolg die Beliebtheit des Pan Twardowski, und schließlich holte ihn König Sigismund an seinen Hof. Dessen geliebte Frau Barbara Radziwill war soeben verstorben, und mithilfe eines Zauberspiegels sowie unter großer Anstrengung gelang es Twardowski, ihren Geist zu beschwören und mit dem des trauernden Königs zu vereinen. Dieser Zauberspiegel soll dann noch bis ins späte 19. Jahrhundert hinein zukünftige Ereignisse vorausgezeigt haben.

 

Wawel. Königssitz. Sigismund blieb nach Barbaras Tod zwar nicht unverheiratet, aber kinderlos - mit ihm erlosch das Geschlecht der Jagiellonen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Den Spiegel hat sich später übrigens Napoleon unter den Nagel gerissen.

Angeblich hat Bonaparte ihn 1812 beschädigt, als ihm der Spiegel seine Niederlage in Russland offenbarte. Wer’s glaubt! Ich gehe die Tage noch mal meine Fotos von Schloss Mailmaison durch, ich bin mir sicher, da hing so etwas in der Art im Billardzimmer.)

 

Krak-Hügel. Von starken magischen Strömungen umgeben. Kein Wunder, dass Pan Twardowski hier ebenfalls gezaubert haben soll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Derweil Pan Twardowski eine Enzyklopädie und ein weiteres Werk über Magie verfasste (Die Jagiellonski-Universität rühmt sich eines Exemplars in ihren Hallen, welches gar durch die Hand des Teufels gegangen sein soll), arbeitete der Teufel fieberhaft an einem Plan, um der Seele des Zauberers doch noch habhaft werden zu können.

Es wurde vereinbart, dass der Teufel Twardowskis Seele in Beschlag nehmen sollte, sobald dieser sich in Rom aufhielt. Natürlich hatte der Hexenmeister nicht vor, jemals nach Italien zu reisen – und so war es vorerst weiterhin Beelzebub, der Fron- und Sklavendienste zu leisten hatte. Twardowski befahl ihm, sämtliche Silbervorkommen in polnischem Boden der Einfachheit halber alle an eine Stelle zu tragen. Nach Olkusz. Dort befindet sich bis heute eine der ältesten Silberminen Polens.

 

Keine Silbermine - sondern die Drachenhöhle unterhalb der Wawelburg. Auch zauberhaft, nicht wahr?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Dauer für dumm verkaufen ließ sich der Gehörnte mit dem Pferdefuß jedoch nicht. Er überraschte Twardowski in einer Kneipe namens “Rzym” (“Rom” auf Polnisch, mehrere Kneipen in diversen kleinpolnischen Orten rühmen sich heute dieser Bezeichnung), und damit war Schluss mit lustig. Endlich konnte der Teufel zuschlagen.

 

Die Pijarska in der Nähe des Floriantors - Krakau, altstädtisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gelang dem übertölpelten Hexenmeister noch, die Jungfrau Maria um Hilfe anzurufen, und diese zeigte Erbarmen: Der Teufel musste Twardowski loslassen – und dieser fiel statt in die Hölle auf den Mond.

Auf dem Mond sitzt Pan Twardowski bis heute. Jeden Tag schickt er eine Spinne auf eine Ecke des Rynek Glowny herab, auf dass sie ihm das Neueste aus der Stadt berichte.

Der Teufel jedenfalls hat sich seitdem in Krakau nicht mehr blicken lassen.

 

Wer hier ganz in der Nähe eine Spinne trifft, der grüße besser freundlich und halte seine Schuhsohen im Zaum

 

 

 

Dies ist ein Obwarzanek. Ich nenne die Obwarzanki "Kringel" und vermisse sie innig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich höre stundelang meine polnischen CDs. Ich backe Obwarzanki. Ich schreibe seitenlange Reiseberichte für meine Website. Ich sitze in meiner Freizeit am PC und schaue – natürlich völlig unverbindlich! – nach günstigen Flügen. Wizzair bietet da etwas an, von Dortmund nach Kattowitz. Und von Kattowitz aus sind es nur noch knapp 70 km bis nach Krakau.
Ich fürchte, ich habe Heimweh.

Ein zweiwöchiger Sprachkurs in Krakau sollte meine bis dahin eher rudimentären polnischen Sprachkenntnisse beleben. Meine Firma war begeistert und erteilte den diesbezüglich benötigten Bildungsurlaub ohne weitere Komplikationen. Die Reisekosten (hin mit dem Zug, zurück wollte ich den IC-Bus der Deutschen Bahn ausprobieren) beliefen sich auf weit weniger, als ich vermutet hatte. Ich kaufte einen großen, blauen Schalenkoffer, bepackte ihn ihn – und fuhr dann tatsächlich los in Polens heimliche Hauptstadt.

 

Marienkirche, Pferdekutsche und Rynek - das Herz der Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach welchen Kriterien wählt man einen guten Sprachkurs? Krakau wimmelt nur so von Kursanbietern aller Art. Man kann als Ausländer Polnisch sogar an der Universität studieren, die im Sommer spezielle Sprachkurse anbietet. Einige Anbieter haben sich auf Amerikaner spezialisiert, andere auf weitere Nationen as aller Welt. Die Unterrichtssprache ist in der Regel Englisch oder Polnisch.
Als ich vor ein paar Monaten recht wagemutig die Begriffe “Krakau Bildungsurlaub” googelte, erschienen die Seiten der PNTA in der Auswahlliste ganz vorn. Interessiert blätterte ich durch das Online-Angebot. Die Homepage gefiel mir – kein überflüssiger Schnickschnack, alle Infos kompakt dargestellt, und noch dazu ergänzt durch viele Testimonials von zufriedenen Schülerinnen und Schülern, die insbesondere die kompetente und herzliche Art der polnischen Mitarbeiter hervorheben. Wenig später konnte ich dies nur bestätigen: Auf meine mit tausend detaillierten Fragen gespickte Mailanfrage erreichte mich ein freundlich-ausführliches und geduldiges Rückschreiben, welches keine Fragen offen ließ: Zu Beginn des Sprachkurses würde ein Spracheinstufungstest stattfinden, nach dessen Ergebnis dann die Einteilung in Gruppen erfolge. Die Unterkunft im Doppelzimmer sei im Preis inbegriffen, gegen einen Zuschlag von 50 Euro sei auch ein Einzelzimmer möglich. Die Unterbringung erfolge in polnischen Familien. Selbstverständlich würde nach Anmeldung die erforderliche Bestätigung für den Bildungsurlaub umgehend zugeschickt. Ich könne in Zloty, aber natürlich auch in Euro bezahlen. Das Lehrwerk könne ich vor Ort kaufen, genauso wie eine Wochenfahrkarte für den Krakauer Nahverkehr.
Ich war überredet.

 

Kindheitserinnerungen werden wahr: Straßenbahn fahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Krakau: Meine Gastfamilie besteht aus Maria, 67 (Alter unter Vorbehalt, als sie mir ihr Alter mitteilte, waren meine polnischen Zahlen noch nicht ganz sattelfest) und ihrem Hündchen Kora. Kora erhält zweimal am Tag Ausgang und liebt es, zusammen mit den beiden Nachbarskatern über den Hof zu tollen. Bei mir macht Maria keine Vorgaben, ich kann kommen und gehen, wie ich will. Nur wenn ich komme, besteht Maria darauf, dass ich ihr kurz auf polnisch berichte, wo ich war und was ich gemacht habe. Das funktioniert zu meinem großen Erstaunen bereits nach wenigen Tagen – denn mein Sprachkurs ist nichts für Warmduscher. Dazu muss ich sagen, dass ich zu den Menschen mit “komischen Vorkenntnissen” gehöre: Ich spreche recht passabel Russisch, und ich habe in meiner Firma bereits ein paar Brocken Polnisch lernen können, diese Brocken natürlich sehr fachspezifisch. So kann ich zwar einen kompletten Autounfall auf Polnisch abwickeln, aber weder sagen, wie alt ich bin, noch erzählen, woher ich komme. Und wenn ich frei sprechen möchte, verfalle ich nach wenigen Worten unweigerlich ins Russische.
Ich bin sehr froh, dass dieses Problem meinen Lehrerinnen anscheinend nicht unbekannt ist! Nach dem Einstufungstest lande ich in einer sehr angenehmen Dreiergruppe. Unsere Sprachniveaus differieren leicht, aber unsere freundlich-resolute Sprachlehrerin hat das jederzeit im Griff. Von Anfang an stellt sie sich geschickt auf das jeweilige Niveau jedes Schülers ein, sodass die kleinen Unterschiede im Unterricht nicht hervortreten. Insgesamt gibt es während der zwei Wochen meines Aufenthalts vier Gruppen, eine größere Anfängergruppe und drei Gruppen mit unterschiedlichen Sprachniveaus. Alle vier Gruppen werden individuell unterrichtet, zusätzlich gibt es täglich um 11 Uhr eine Sprechstunde, die allen Schülern für ihre Fragen offen steht. Hier treffe ich auf die Schüler aus den anderen Gruppen und ziehe auch aus deren Fragen großen Nutzen.

 

In angenehmer Atmosphäre und in kleinen Gruppen lernen - beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Sprachstudium!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Unterricht gestaltet sich abwechslungsreich und von Anfang an recht arbeitsintensiv. Von nix kommt nix! Unsere Lehrerin gibt sich nicht damit zufrieden, uns die Grammatik der jeweiligen Lektionen einzutrichtern, sondern sie festigt diese auch gleich durch variantenreiche Übungen. Im Anschluss üben wir in Dialogen untereinander und trainieren mit Hilfe von Sprachaufnahmen unser Hörverständnis. Wir werden regelmässig dazu ermuntert, unbekannte Wörter mitzubringen, die wir zum Beispiel auf unserem Schul- oder Heimweg aufgeschnappt haben. So lerne gleich am Anfang ich die polnische Version der Media-Markt-Werbung: “Nie dla idiotów – nicht für Idioten” und erfahre, dass mit “Witam, Paul!” der äußerst beliebte Paul McCartney mit einem herzlichen “Willkommen” zu seinem Konzert in Warschau nächsten Monat begrüßt wird. “Dla psów i kotów” bringt dann den gefürchteten polnischen Genitiv Plural ins Spiel: Für Hunde und Katzen. Steht an einem Tierfuttergeschäft – und macht dort auch richtig Sinn.

 

Futter für Vögel, Hunde, Katzen und Fische - alle im Genitiv Plural!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei meiner Freizeitgestaltung leisten mir die Damen von der PNTA tatkräftige Unterstützung: Man telefoniert mit einem örtlichen Busunternehmen, um sich zu vergewissern, dass der Bus, den ich mir ausgesucht habe, mich auch tatsächlich in den kleinen nahe Krakau gelegenen Naturschutzpark Ojcow bringt – und vor allem: am Abend bitte auch wieder zurück! Wir diskutieren in der Sprechstunde DVD- und Musiktipps frei nach dem Motto, dass sich über Geschmack eben doch nicht streiten lässt. Meine Lehrerin sucht für mich einen kostenfreien Link zu Andrzej Waidas “Pan Tadeusz” im Netz heraus – und erteilt mir gleichzeitig Absolution, falls ich mich außerstande sehe, der Handlung zu folgen.
Viele der Empfehlungen habe ich mittlerweile umgesetzt, und damit mein schlimmstes Krakau-Heimweh im Schach halten können: Spielfilme auf DVD, das Sachbuch “Viva Polonia” von Steffen Möller, dem nach dem ehemaligen Papst bekanntesten Deutschen in Polen, und eine wundervolle CD mit Klezmer-Musik des Stargeigers Nigel Kennedy, die er zusammen mit der Krakauer Klezmer-Band Kroke eingespielt hat.
Kennezy! Klezmer! Kazimierz! Krakaus jüdisches Viertel kostete mich übrigens gleich mehrere Nachmittage.
Und einen Samstag.

 

Kazimierz übt eine magnetische Anziehungskraft aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Hausaufgaben habe ich in Krakau stets mit großer Sorgfalt erledigt. Und so konnte ich meinen Sprachkurs mit einem “bardzo dobrze” abschließen. Was kein Wunder war in einer so angenehmen und motivierenden Umgebung! Meine Zeit in Krakau hat mir nicht nur in punkto polnische Sprache zu völlig neuen Erkenntnissen verholfen – seitdem sehe ich auch unsere polnischen Nachbarn in einem völlig neuen Licht. Mir war vorher nicht klar gewesen, wieviel wir eigentlich gemeinsam haben – und wieviel Spaß man in polnischer Gesellschaft hat. Und in der zweitschönsten Stadt Europas.
Gleich nach Hamburg natürlich.

Knapp dreißíg Euro kostet der Flug. Im Oktober könnte ich wieder hin.

 

       Hier geht’s zur PNTA

                         

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Artikel zu Krakau finden sich rechts in der Kategorie “Schreibtisch auf Reisen”.

Die Villa von Amon Göth

Posted by Cora on 7. Juli 2013
Posted in KrakauSchreibtisch auf Reisen  | Tagged With: , , , , | 6 Comments

 

 

 

 

 

 

 

An meinem letzten Tag in Krakau nutzte ich das schöne Wetter, um noch einmal nach Podgorze hinaus zu laufen. Vom alten Arbeits- und Konzentrationslager Plaszow ist nichts mehr übrig geblieben, nur eine Gedenkstätte erinnert noch an das Grauen während der Nazi-Besetzung.

Wer den Film “Schindlers Liste” gesehen hat, der erinnert sich an den alten Steinbruch, in dem Steven Spielberg das Lager ansiedelte. Tatsächlich aber umfasste das eigentliche Lager eine wesentlich größere Fläche, die heute unter dem Begriff “Naherholungsgebiet” Verwendung findet.

 

 

 

 

 

 

 

Mittlerweile hat sich die Natur ihren Raum zurückerobert.
Spielberg platzierte übrigens die Villa des Lagerkommandanten Amon Göth rechts oben über den Steinbruch. So konnte er die Perversion von Amon Göth, der gern Gefangene überraschend einfach hinterrücks (oder von vorn) niederschoss, perfekt darstellen. In Wirklichkeit stand die Villa dort nicht.

Die Ul. Wiktora Heltmana liegt in einer recht gut betuchten Gegend. Freundliche Anwesen finden sich rechts und links der Straße, die sich vom Friedhof Podgorski Nowy fort nach Süden schlängelt.

 

 

 

 

 

 

 

Die Häuser sind schmuck, teils neu, teils mit viel Aufwand liebevoll renoviert. Mittelklassefahrzeuge aus Europa und Übersee säumen die Bürgersteige. Die Idylle wird urplötzlich unterbrochen durch eine an Häßlichkeit nicht zu überbietende Scheußlichkeit, einer Zahnlücke inmitten eines ansonsten makellos gepflegten Gebissee: Heltmana 22. Die Villa von Amon Göth.

 

 

 

 

 

 

 

“Sprzedam” heißt: Ich verkaufe. Das ist der Traum eines alten Mannes, der vor über zwanzig Jahren meinte, das Schnäppchen seines Lebens zu machen, als er das Haus von der Stadt zu einem Spottpreis übernahm.  Er wusste nicht, was genau er da erworben hatte, und fiel aus allen Wolken, als Spielbergs Film in die Kinos kam.

So geht eine Version der zwei Geschichten, die man sich in Krakau über diesen alten Mann erzählt. Ich hörte sie von Agnieszka Dauksza, einer polnischen Künstlerin, die gerade am Grolsch ArtBoom Festival in Krakau teilnahm. Ihr Beitrag nannte sich “Die Träume von Amon Göth”, und sie hatte eben jenen alten Mann dazu überredet, sein Haus für eine Woche der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

Als sie mich neugierig am Straßenrand stehen sah, bat sie mich herein.

 

 

 

 

 

 

 

Erfreut, dass es sich bei Agnieszka nicht um eine Maklerin handelte, die vielleicht versuchen wollte, mir die Scheußlichkeit zu verkaufen, folgte ich der Einladung und fand mich bald in diesem geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer wieder.

 

 

 

 

 

 

 

Angeblich handelt es sich bei den hier gezeigten Möbeln größtenteils um Einrichtungsgegenstände, die früher Göth gehört haben sollen. Der alte Mann bewohnt selbst nur ein kleines Zimmerchen im vorderen Teil des Hauses. Vom Grad der “Bewohntheit” aus betrachtet, kann das gut hinkommen, denn die Möbel im großen Wohnzimmer wirken wie ausgestellt.

 

 

 

 

 

 

 

Über den Esszimmerbereich gelangt man in den hinteren Teil des Hauses und in den Garten. Und hier erblickte ich auch den berühmten Balkon.

 

 

 

 

 

 

 

 

Es mag zum Teil Einbildung gewesen sein, aber diese Räume jagen einem immer noch Schauer über den Rücken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Raum, in dem laut “Schindlers Liste” Göths Bett stand, ist heute leer – und komplett baufällig, wie der größte Teil des Hauses. Die Bausubstanz ist verrottet und verkommen. So wird das nie was mit dem Verkauf – es sei denn, die Nazi-Szene rottet sich zusammen und sammelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hoffe inständig, dass dem eine Organisation zuvor kommt, die aus diesem Haus etwas formt, was den Menschen heute die Schrecken der Naziherrschaft und ihre perversen Auswüchse nahe bringt. Es kann nicht angehen, dass dieses Haus womöglich in falsche Hände fällt! Das KZ Plaszow ist heute komplett verschwunden. Vielleicht wäre dieses Haus ein prima Platz, um an das Lager, seinen perversen Kommandanten und an eine faschistische Ideologie zu erinnern, die ganz schnell furchtbare Folgen hatte.

Ich finde: Ein einfacher Wasserhahn zeigt den Horror deutlicher, als eine ganze Wand voller interaktiver Schautafeln das vermag.

 

Der Schreibtisch in Krakau

Posted by Cora on 31. Mai 2013
Posted in NewsSchreibtisch auf Reisen 

Zeit für einen Ortswechsel! Für zwei Wochen stelle ich den Schreibtisch im schönen Krakau auf und beschäftige mich dort mit der polnischen Sprache, sowie Land, Leuten und Kultur.

E-Mails beantworte ich nach meiner Rückkehr am 17. Juni.

Quelle: Wikimedia Commons