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Coras Schreibtisch

Rozumiem! – Ich verstehe!

Posted by Cora on 26. September 2013
Posted in KrakauSchreibtisch auf Reisen  | No Comments yet, please leave one

Rozumiem! – Ich verstehe!

Mein Polnischkurs in Krakau

Wie viele Gespräch an der Notrufsäule führe ich in einer Fremdsprache? Gefühlt mindestens fünfzig Prozent. Selbst Melder, die eigentlich im Deutschen recht sattelfest sind, verfallen in dieser besonderen Stresssituation an der Säule gern in ihr Heimatidiom. Sich in der eigenen Sprache ausdrücken zu können beruhigt, verleiht Sicherheit und hilft dem Melder dabei, die Informationen über den Standort und über die Situation vor Ort gezielt zu übermitteln. Im Gegenzug kann ich als Agentin sicher sein, dass der Melder meine Sicherheitsabfragen zu Beginn und die Hinweise am Ende des Gesprächs vollständig zur Kenntnis nimmt (“Haben Sie Warnblinker an?” – “Ja, ja!”. “Haben Sie ein Warndreieck aufgestellt?” – “Ja, ja!”. “Sie verstehen nicht ein Wort von dem, was ich sage – richtig?” “Ja, ja!”).

Erst gestern wurde ich wieder gefragt, warum ich ausgerechnet zwei Wochen nach Krakau gefahren bin. Nun, die Antwort ist einfach: Die Firma bot für die Notrufagenten Sprachkurse an, Englisch, Russisch und Polnisch. Englisch und Russisch konnte ich schon. Also habe ich an dem Polnischkurs teilgenommen. Außerdem war ich vor gut zwanzig Jahren mit dem Auto nach Auschwitz gefahren und hatte auf der Rückfahrt kurz in Krakau Station gemacht. Ich erinnerte mich an den großzügig angelegten Marktplatz inmitten der Altstadt, an die vielen alten Blumenfrauen auf dem Markt und an diverse Stände mit Silberschmuck. Die Atmosphäre war unglaublich friedvoll und gleichzeitig aufregend gewesen. Die ganze Stadt atmete Geschichte! Ich schwor mir, eines Tages wiederzukommen, um sie genauer kennen zu lernen. Kurz: Ich hatte unglaublich große Lust auf diese Stadt. Unser Firmen-Polnischkurs ging bereits in die zweite Staffel und so wurde es Zeit, das bisher erworbene Wissen im Land selbst zu erweitern und zu vertiefen. Ich durchpflügte das Internet nach geeigneten Angeboten und wagte es schließlich sogar, nach “Polnisch Bildungsurlaub Krakau” zu googeln. Tatsächlich wurde ich schnell fündig: Die PNTA (Deutsch-Polnische Gesellschaft) bietet Sprachkurse direkt in Krakau an, die in Hamburg als Bildungsurlaub anerkannt sind. Großartig! Ich kaufte einen großen, blauen Koffer und ein Zugticket, setzte mich in den Berlin-Warschau-Express und fuhr ins Unbekannte. So ist das gekommen.

Krakau empfängt seine Besucher im Sommer mit einem unwiderstehlichen Charme. Irgendetwas, städtisch angesiedelt zwischen Paris und Simferopol, liegt in der Luft. Fin de Siécle trifft auf spätkommunistischen Gigantomanismus. Katholizismus praktiziert neben Jeunesse dorée. Dazwischen tauchen immer wieder wir Deutschen auf, prügelten uns bei Tannenberg, trugen kulturell zum Stadtbild bei, machten im zweiten Weltkrieg eine denkbar schlechte Figur und dominieren heute ganze Straßenzüge und Einkaufskomplexe mit Rossmann-Drogerien, Saturn-Filialen und Mediamärkten. Nach meiner Ankunft übernachtete ich in einer deutschen Pension in der Nähe des Hauptbahnhofs, gönnte mir einen freien Sonntag zur ersten Erkundung meiner neuen Umgebung und zog dann am Abend zu Maria Herian, einer alleinstehenden Großmutter aus dem Ortsteil Nowy Kleparz, und ihrem Hündchen Kora (Unterkunft im Kurspreis inbegriffen). Am nächsten Morgen stellte ich mich den Aufnahmeprozeduren meiner Sprachschule.

Nach drei Monaten zielgerichteten Spracherwerbs und intensiven Vokabeltrainings fühlte ich mich zu fortgeschritten für den Anfängerkurs und absolvierte einen Einstufungstest. Dessen erster Teil bestand aus Fragen zur Grammatik, die mit dem multiple-choice-Verfahren zu beantworten waren. Dank meines Slawistik-Studiums kam ich ziemlich weit: Was ich nicht wusste, konnte ich aus dem Russischen oder aus dem Altslawischen ableiten. Der zweite Teil bestand aus einer leeren Seite mit der Überschrift: “Mój dzien” (Mein Tag). Nach kurzem, vergeblichem Überlegen ließ ich die Seite so, wie sie war. Auf die schriftliche Prüfung folgte dann eine mündliche Befragung. Ich scheiterte grandios bereits an der zweiten Frage: “Woher kommst Du?” (meinen Namen hatte ich gerade noch sagen können). Die Lehrerin wirkte leicht irritiert, offensichtlich hatte sie nach dem schriftlichen Test mehr von mir erwartet. Dann aber fragte sie mich nach meinem Job. Und endlich konnte ich glänzen! Erfreut schilderte ich ihr in fließendem Polnisch einen kompletten Massenunfall mit LKWs, PKWs, zwei blockierten Fahrspuren und mehreren Verletzten auf der A2 Richtung Berlin. Nur so als Beispiel. Dann drehte ich den Spieß um und befragte sie nach ihrem eigenen Fahrzeug. Als wir damit durch waren, lief ich zu innerer Hochform auf, erfreute sie und mich mit den abschließenden Sicherheitshinweisen, bat sie, noch eine Warnweste anzuziehen und beschloss meinen kleinen Vortrag mit dem Satz, mit dem ich am allerliebsten einen Notrufcall beende: “Alles wird gut.” Meine Lehrerin lächelte freundlich – und packte mich dann in den Kurs der Leute mit den merkwürdigen Vorkenntnissen. Was für mich zwei äußerst arbeitsintensive Wochen zur Konsequenz hatte. Denn Polnisch ist eben nicht gleich Russisch, und was am Anfang ein Segen schien, entpuppte sich spätestens bei den Vorbereitungen zum Abschlusstest als Fluch. Genitiv Plural! Ordnungszahlen! Possessivpronomen! Und zur Krönung des Ganzen: Die Uhrzeit.

Nachmittags nach dem Unterricht erkundete ich Krakau. Ich aß Pirogen mit Quark, Pirogen mit Pilzfüllung und Pirogen mit Soße und schwelgte in altpolnischer Küche, die für mich Nicht-Karnivoren viele gemüsige Schmankerln bereit hielt: zahlreiche verschiedene Kohlarten, Borschtsch und Pilze, Kartoffeln und Eier, auf unterschiedlichste Art zubereitet. Für mein Abendessen zahlte ich im Restaurant zwischen zwei und fünfzehn Euro, nie mehr. Mein Lieblingsrestaurant wurde das “Glonojad” (“Algenfresser”), eine vegetarische Bar am Plac Matejki in unmittelbarer Nähe der Innenstadt – und der Straßenbahnhaltestelle Richtung Bronowo, wo mich allmorgendlich mein Sprachkurs erwartete. Hier gab es Milchkaffee mit Sojamilch, frische Smoothies und meine geliebtes “jaiko sadzone” zum Frühstück – Spiegelei. Kulinarisch reiste ich in meinen zwei Wochen in Krakau einmal um den Globus. Ich aß polnisch, italienisch, polnisch, indisch, Thai, polnisch, chinesisch und wieder polnisch. Und jüdisch: den ersten gefilten Fish meines Lebens. Während neben mir eine Klezmerkapelle alles aus Fidel, Bass und Akkordeon herausholte, was nur irgendwie möglich war.

Krakau ist voller Legenden. Jede Straße, ja sogar jedes Gebäude erzählt seine eigene Geschichte! Krakau hat einen Hexenmeister, Pan Twardowski, der unserem Doktor Faustus nicht unähnlich ist. Nikolaus Kopernikus hat hier studiert. Der Maler Jan Matejko, ebenfalls in Krakau beheimatet, prägte mit seiner Kunst nicht nur das Interieur der zauberhaften Marienkirche auf dem Rynek, dem Marktplatz im Zentrum – seine Werke prägten gar entscheidend das polnische Selbstverständnis als eigenständige Nation. Oskar Schindler übernahm im Stadtteil Podgorze seine Emaillefabrik, die ihm die Rettung tausender Juden vor der Vernichtung ermöglichte. Trotzdem starben unzählige Menschen im Konzentrationslager Plaszow, in unmittelbarer Nähe des Krakauer Ghettos. Das Ghetto überlebte ein kleiner Junge namens Roman Polanski, heute als Filmemacher mehrfahrer Oscarpreisträger. Kazimierz, das alte jüdische Viertel, wird heute von jungen Juden, Künstlern und Studenten aus aller Welt wiederbelebt – es brodelt in den alten Gassen an allen Ecken und Enden. Am nördlichen Rand von Kazimierz findet man das Frania Café, Krakaus urigsten Waschsalon, der bis Mitternacht geöffnet ist – und geht man von dort die Hauptstraße herunter, findet sich nach ein paar hundert Metern die beste Eisdiele der Galaxis.

Die meisten Geschichten rund um den zweiten Weltkrieg herum sind tragisch. Eine findet ein versöhnliches Ende und sei darum hier kurz wiedergegeben: Die Geschichte vom kleinen Szachne. Szachne heißt heute Stanley Berger und wohnt in Kanada. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Eltern Helena und Jozef Hiller waren 1942 zusammen mit ihrem kleinen Sohn ins Ghetto von Podgorze gekommen. Mit der Hilfe des polnischen Widerstands gelang es Helena Hiller, ihren kleinen Sohn bei polnischen Pflegeeltern unterzubringen. Sie hinterließ ihm drei Briefe, bevor sie und ihr Mann verschwanden: Kurz nachdem sie ihren Sohn übergeben konnte, wurde das Ghetto liquidiert. Die polnische Pflegefamilie zog den kleinen Szachne auf, wie ihren eigenen Sohn. Sie behielten den Jungen auch nach dem Krieg und gaben ihm eine glückliche Kindheit. Um bei den Nachbarn keinen Argwohn zu erregen, überlegten sie sich, den Jungen taufen zu lassen und riefen den Priester zu Hilfe, um gemeinsam zu überlegen, wie man die Taufe bewerkstelligen könnte, ohne dass Szachne als Überlebender des Holocaust stigmatisiert wurde. Der Priester kam – und entschied zur großen Verwunderung der Familie, dass man den Wünschen der Mutter des Jungen Folge leisten solle, so wie sie es in ihren Briefen beschrieben hatte: Der Junge solle sich immer auf den Glauben seiner Väter besinnen und stolz auf diesen sein. Ein weiterer Brief war an entfernte Verwandte in Kanada gerichtet, und schweren Herzens machte sich die polnische Pflegemutter auf, diese Verwandten zu finden. Wenig später schickten sie Szachne nach Kanada. Szachne vergaß seine polnischen Eltern nie. Er hielt den Kontakt aufrecht und unterstützte sie später finanziell, als er ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden war. Während eines Telefonats in den siebziger Jahren entschloss sich seine polnische Pflegemutter, ihm endlich die Geschichte zu erzählen, warum sie ihn nach Kanada geschickt hatten. Und stolz berichtete sie ihrem Jungen, dass eben dieser Krakauer Priester, der ihnen damals geraten hatte, den Glauben und den Wunsch seiner Mutter zu respektieren – dass dieser Priester soeben zum Papst gewählt worden war.

Am Ende meines zweiwöchigen Aufenthalts in Krakau konnte ich nicht nur die Uhrzeit auf Polnisch sagen. Ich konnte auch mitteilen, wie ich heiße und woher ich komme. Und erzählen, wie ich meinen Tag verbracht hatte und dass ich gern Spiegeleier zum Frühstück esse. Losgelöst von meinem Alltag habe ich es genossen, eiskalt einzutauchen in eine neue und fremde Kultur – die schlussendlich meiner eigenen viel näher steht, als ich zunächst angenommen hatte. Ich weiß jetzt, warum der Trompeter der Krakauer Marienkirche mitten im Spiel abbricht, wenn die volle Stunde schlägt. Ich bin auf den Spuren von Oskar Schindler durch die ganze Stadt gelaufen und habe die Villa des Lagerkommandanten Amon Göth von innen gesehen. Ich habe auf Polnisch mein Essen bestellt und mit den Marktfrauen geschachert. Am Ende hätte mein großer, blauer Koffer beinahe kapituliert vor lauter zusätzlichen Mitbringseln. An der herrlichen Wawel-Schokolade esse ich bis heute. Und freue mich schon heute auf die dritte Staffel unseres Firmen-Polnischkurses, die im September beginnt.

Meinen polnischen Anrufern kann ich jetzt auch einen schönen Tag wünschen. Danach sage ich immer noch “alles wird gut.”

Corinna Kahl

PS: Weitere Infos zur PNTA und den Sprachkursen in Krakau: www.polnischkurse.org

PPS: Weitere Geschichten aus Krakau erzähle ich in meinem Blog auf www.coras-schreibtisch.de

PPPS: Wir haben in der Firma derzeit niemanden, der Rumänisch spricht! Cluj soll ja auch sehr schön sein…

Dieser Artikel erschien zuerst im September 2013 in MEGAFON Ausgabe 4/2013

Dies ist eine Ankündigung der Gärtnerei Sannmann, die ich hier gern empfehlend weitergebe.

 

Foto Stephan Bosselmann

 

Erntefest, Öko-Markt, Kinderprogramm und Nützlings-Beratung in der Demeter Gärtnerei Sannmann in Hamburg Ochsenwerder

Was sind eigentlich Nützlinge? „Dieses Erntejahr war für Gärtner schwierig durch das feuchtkalte Frühjahr und den sehr heißen Sommer mit starkem Läusebefall“, sagt Thomas Sannmann. Gegen Schädlingsbefall setzt seine Gärtnerei bereits seit 27 Jahren erfolgreich Nützlinge ein und stärkt somit das ökologische Gleichgewicht. Kinder und Erwachsene können am kommenden Sonntag, dem 15. September 2013 Schlupfwespen, Florfliegenlarven und Nematoden unter dem Binokular (Stereomikroskop) beobachtet und Marienkäfer mit Getreideblattläusen füttern.
In einem spektakulären Kurzfilm wird gezeigt, wie die Bodenraubmilbe Hypospis die Larven der Trauermücke im Boden bekämpft. Trauermücken und ihre Larven können große Schäden bei Gemüse- und Zierpflanzen vor allem im Wurzelbereich anrichten. „Keimlinge und Jungpflanzen überleben Trauermücken-Attacken meist nicht“, sagt Thomas Sannmann. Er beugt einem möglichen Befall im Gewächshaus mit Gelbstickern und Fanglampen vor.

Foto Stephan Bosselmann

Programm

Das Erntefest beginnt um 13 Uhr im Garten mit der Verleihung des Demeter „Land-Wirtschaft-Kultur“-Preises 2013 an die Demeter Gärtnerei Sannmann für ihre besonderen gesellschaftlichen Leistungen. Um 13.30, 15.00 und 16.30 starten die beliebten Kinder-Führungen mit Selbsternte. Mit Trecker und Anhänger geht es zu den Kühen und Kälbchen, zum Gemüse ernten, Saatgut vom Bantam-Maisfeld holen und Blumen pflücken. Paddelboote laden auf eine Seefahrt ein und liebe Ponys stehen ab 14.30 Uhr für einen Ritt durch die Gärtnerei bereit. Beim Sannmann-Gemüse-Abo gibt es für die Kinder lustige Schminkgesichter, während sich die Eltern in Ruhe über das Angebot informieren.

Foto Stephan Bosselmann

Auf zwei großen Führungen um 14.30 und 16.00 Uhr zeigen die Gärtnermeister den biologisch-dynamischen Gemüseanbau. „Wir erzeugen wertvolle Lebensmittel im Einklang mit der Natur, die Körper, Geist und Seele stärken sollen“, sagt Thomas Sannmann über seine Anbau-Philosophie. Die Gäste können das direkt erleben und dürfen viele verschiedene Gemüsesorten in den Gewächshäusern, Folientunneln und Feldern selbst ernten.

Foto Corinna Kahl

Kulinarische Genüsse bringen Demeter Höfe aus der Region auf den Tisch: Bratwurst und Käsespieße vom Erdmannshof, Pommes und Rote Bete-Salat von Hof Dannwisch, Brotsorten und Snacks von Hof Wörme, sortenreine Tomatensuppe von Sannmann, neue Salatsoßen stellt die Manufaktur Overmeyer vor. Im Garten-Cafe am See können Kaffee und Kuchen genossen werden und der Hofladen bietet von 10 bis 18 Uhr (Erntefest-Ende) alle Gemüse, Kräuter und Salate der Gärtnerei sowie ausgewählte Naturkostprodukte. Anfahrt und Infos unter www.sannmann.com

Foto Corinna Kahl

Sightjogging

Bei Traumwetter begeben wir uns am Sonntagmorgen, dem 25. August auf eine Tour durch Hamburg-Uhlenhorst. Im lockeren Lauftempo für die anderen – in einer neuen persönlichen Laufbestzeit für mich. ;-)   Insgesamt acht “Sights”, also Sehenswürdigkeiten, schauen wir uns an, und stellen fest, dass wir unsere Stadt so noch nie erlebt haben. Die Kombination aus Stadtführung und sportlicher Betätigung finden wir alle sofort klasse.

Für die Statistik: Wir bringen insgesamt 8,35 km in einer Zeit von 1:36 hinter uns. Als Special begleitet uns ein Fahrradhelfer, der auf uns acht gibt und auch dankbarerweise den Transport der Trinkflaschen übernommen hat.

Alsterschwimmhalle, die "Schwimmoper"

 

 

Kuhmühlenbrücke

 

 

Das Gästehaus des Senats

 

 

Helfen und sichern

Ein ganz besonderes Thema ist das Helfen und Sichern. Um einen so intensiven Körperkontakt zu einer anderen Person herzustellen, benötigt es eine Menge Vertrauen. Der anderen Person muss die Hilfe willkommen sein. Das Vertrauen soll nicht enttäuscht werden. Und am Anfang muss es erst einmal geschaffen werden. Wir schaffen Vertrauen durch Spiele. Beim “Roboter” bilden wir Paare. Eine Person schließt die Augen und lässt sich von der anderen Person durch gezielte körperliche Anweisungen durch den Raum führen (z.B. Tappen auf die Schultern für die Richtung).

Vertrauen

 

Danach stellt sich eine Person in die Mitte der Gruppe und wird von den Gruppenmitgliedern sanft in verschiedene Richtungen bewegt (“Steife Puppe”),  dies ebenfalls mit geschlossenen Augen. Hier besteht die Schwierigkeit für die Person in der Mitte darin, dass sie eine steife Körperhaltung beibehalten ud sich gleichzeitig den Impulsen der anderen Personen hingeben muss, ohne selbst zu versuchen, die Richtung mitzubestimmen.

Anhand von verschiedenen Übungen lernen wir dann einige wichtige Helfergriffe kennen: Handstand, Handstand/Überschlag, Purzelbaum, Flic Flac. Sehr beruhigend ist, dass die Ausführenden sich völlig in die Hände der Sichernden geben können, und so Übungen meistern, die sie sich vorher nie im Leben selbst zugetraut hätten (ich = Handstand/Überschlag).

Der Stützgriff

Der Stützgriff hilft z.B. beim Springen über Gegenstände oder auch beim Handstand (an den Oberschenkeln ausgeführt). Er wird möglichst nahe an der Schulter angesetzt, die Helfer befinden sich sehr nahe am Körper des Ausführenden.

 

Der Drehgriff

Der Drehgriff (auch “Krokodilgriff” genannt) hilft bei der Rolle vorwärts oder beim Salto.Vom Beidarmigen Tragegriff habe ich leider kein Foto, aber er ist im Skript sehr schön beschrieben.

Für die Griffe gilt:

- nicht am Gelenk fassen!
- nicht zu beiden Seiten des Gelenks festhalten!
- nicht im Lendenwirbelbereich stützen oder tragen
- immer möglichst dicht an den Ausführenden heran treten
- nicht beim Ausführen behindern, zur soviel helfen, wie zum Gelingen der Übung nötig ist.

 

Was am Sonntag sonst noch geschah: Wir bewerteten verschiedene Sportbücher mit dem Schwerpunkt “Outdoor”.

 

Abschließend legten wir den Ablauf des Prüfungswochenendes fest. Den Ablaufplan der Lehrproben sowie die Fragerunde findet Ihr hier:

http://coras-schreibtisch.de/2013/08/25/outdoor-fragerunde-prufung/

 

Einige empfohlene Bücher bei Amazon:

 

 

Nordic Walking – Einführung in Theorie und Praxis

Der Samstag (23. August 2013) ist ein sonniger Bilderbuch-Augusttag. Wir geben uns der Theorie und Praxis des Walking und Nordic Walking hin, Gesundheitssportangeboten, die bei entsprechender Qualifizierung des Übungsleiters und Beachtung der Ausschreibungsrichtlinien von den deutschen Krankenkassen gefordert werden können.

Der VTF bietet eine Ausbildung zum DTB-Instructor Walking/Nordic Walking an, in 2015 plant unsere Referentin sogar eine Kombination der Ausbildungen Nordic Walking plus Herz-Kreislauf-Training auf Sylt. Weitere Informationen finden sich im Internetangebot der Gym-Akademie des VTF.

Zielgruppen für Walking und Nordic Walking

- Rehabilitation
- Senioren
- Übergewichtige, die abnehmen möchten
- Schwangere und junge Mütter
- Sporteinsteiger
- Sportwiedereinsteiger
- Nordic Walking und Walking als Ergänzungstraining zu einer anderen Sportart (Kraftsport, Skilanglauf)

Psyche, Herz und Stoffwechselprozesse werden positiv beeinflusst. Es steigt das Wohlbefinden (“ich tue etwas!”), Stress und Depressionen werden reduziert. Spaß und Kontakt mit anderen Teilnehmern steigern das psychische Wohlfühlen. Das Herz arbeitet ökonomischer, die Fließeigenschaften des Bluts werden verbessert, der Sauerstofftransport im Blut steigt an. Schlussendlich stärken wir das Immunsystem, senken Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und stärken die Skelettmuskulatur.

Koordination

Motorische Grundfähigkeiten:

1) Kraft (was kann ich?)
2) Ausdauer (was kann ich?)
3) Beweglichkeit (was kann ich?)
4) Schnelligkeit (was kann ich?)
5. Koordination (wie steuere ich es?)

Koordination – wie ich mich organisiere, inter- und intramuskuläre Koordination (innerhalb eines Muskels oder zwischen mehreren Muskeln), Grundkomponente von Bewegung, als limitierender Faktor der Leistungsfähigkeit (LF).

Koordinative Fähigkeiten:

- Gleichgewichtsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Rhythmisierungsfähigkeit
- Antizipationsfähigkeit (Vorhersehbarkeit)
- Kopplungsfähigkeit
- Anpassungsfähigkeit
- Differenzierungsfähigkeit

 

Ausdauer – physiologische Aspekte

Grundlage der Fitness: Ausdauer – was ist das? wie trainiert man sie?

Differenzierung der Ausdauer: Skript S. 24 (Diagramm)
“Ausdauer ist definiert als die physische und psychische Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Ermüdung bei lang andauernden Belastungen sowie die schnelle Wiederherstellungsfähigkeit des Organismus nach Belastung.”

Ausdauer lässt sich unterteilen: allgemein/lokal (Umfang der beteiligten Muskulatur, ist weniger als 1/6 der Muskelmasse beteiligt, so ist sie lokal, es findet kein Herzkreislauftraining statt), aerob/anaerob (Art der Energiebereitstellung, Energiebedarf wird durch Sauerstoffzufuhr über Atmung gesichert (aerob), Energiegewinnung kann nicht durch Sauerstoffzufuhr der Atmung gesichert werden und es bildet sich Milchsäure (anaerob), statisch/dynamisch (Art der Muskelarbeit)

Zur Energiebereitstellung: Skript S. 41 ff: Woher kommt die Energie?

Prämisse für ein Training im Bereich Gesundheitssport ist ein Training für allgemeine, aerobe, dynamische Ausdauer. Wir trainieren entweder die extensive Intervallmethode oder die Dauermethode, beide sind gleichwertig zu benutzen.

Trainingsmethoden Dauer/Interwall im Skript auf S. 29.

 

In diesem Text sind noch keine Inhalte zum Thema “Lauf-ABC” berücksichtigt, welches ebenfalls an diesem Tag zum Tragen kam.

Organisation des Sports in Deutschland

Der Freitagabend bringt uns theoretisches Wissen um die Organisation des Sports, Aufsichts- und Haftpflichtfragen sowie um die Rolle des Übungsleiters nahe. Wir lernen zunächst: Die Organisation des Sports in Deutschland funktioniert basisdemokratisch. Deswegen sind Mitgliederversammlungen auch eine gute Möglichkeit, um Veränderungen im Verein herbeizuführen – leider wird davon von viel zuwenig Menschen Gebrauch gemacht. Der Verein fasst Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen – und gibt ihren Interessen eine Struktur. Der Vorstand arbeitet in der Regel ehrenamtlich. Ein Geschäftsführer kann ein weisungsbefugter Angestellter sein – er ist aber dem Vorstand untergeordnet. Der Jugendwart ist ein Teil des Vorstands.

Die unterschiedlichen Vereine bündeln sich in Bezirks-, Kreis- und Stadtsportbünde, sowie in Bezirks- und Vereinsfachverbände. In Hamburg sind Vereine wie Sportspass, der ATM oder der HSV direkt den Landessportbünden bzw. Landesfachverbänden angeschlossen (dort, wenn der Sportverein mehrere Sparten aufweist). Sportspass untersteht hier dem VTF, dem Verband für Turnen und Freizeit. Wir als Mitglieder von Sportspass profitieren also über unseren Verein von Leistungen des VTF, aber auch vom Hamburger Sportbund. Die Verbände unterstehen Spitzenverbänden (DTB, DFB, DLV), diese sind dann – zusammen mit den Landessportbünden sowie weiteren Verbänden (Verbände für Wissenschaft und Bildung, Förderverbände wie die Stiftung dt. Sporthilfe, Sportbünde und -verbände mit besonderer Aufgabenstellung) dem DOSB unterstellt, dem Deutschen Olympischen Sportbund. Tja. Der hat auch darauf bestanden, dass jeder von uns Kursteilnehmern einen Ehrenkodex unterzeichnet.

Soweit alles klar? Der DOSB ist ein Zusammenschluss aus dem DSB und dem NOK, dem Nationalen Olympischen Komittee. Und damit weiter zur Aufsichts- und Haftpflicht.

Aufsichts- und Haftpflicht

Zunächst gilt es, seine Stunden verantwortungsvoll zu planen, ggf. für Vertretung zu sorgen und sich immer mit dem Verein abzustimmen – dann kann schon mal so gut wie nichts mehr schiefgehen. Wir lernen: Der Weg zur Sportstätte ist mitversichert. Wir füllen bei Verletzungen immer einen Unfallbericht aus (gibts beim Verein in der Geschäftsstelle), damit auch etwaige Folgeschäden über den Sportversicherungsvertrag abgewickelt werden können.

Ansonsten wird von uns erwartet, eine Situation eigenverantwortlich sinnvoll einschätzen und beurteilen zu können – die Einzelfallentscheidung muss nachvollziehbar sein. Weitere Einzelheiten entnehme man dem Skript und unseren Fallbeispielen (Handout).

Die Rolle des Übungsleiters

“Ein bißchen hat man es von Natur aus – ein bißchen kann man es üben”

Der Übungsleiter macht sich zum Ziel, möglichst viele seiner Teilnehmer durch verschiedene Methoden zu erreichen. Über Methoden hatten wir uns am 10. August bereits unterhalten:

Wiederholung: Methoden im Sportunterricht

Wer mag, kann sich hier noch einmal die Auflistung der Methoden herunterladen: Methoden_100813

Menschen lernen auf unterschiedliche Art und Weise. Der visuelle Typ kann sich durch alleiniges Anschauen einer Übung diese aneignen. Der audio-Typ benötigt mündliche Anweisungen. Weitere Typen lernen durch permanente Wiederholung. Um soviele Typen wie möglich in einer Unterrichtsstunde zu erreichen, empfiehlt sich ein Mix aus möglichst vielen, unterschiedlichen Methoden während der Unterrichtsstunde.

Nachlesen: Grundlagenbuch Ausbildung, Seiten 12 ff.

Unsere Parkour-Stunde enthielt die drei Hauptbestandteile einer Sportstunde:

1) einleitender Teil: Einstimmung, Motivation, Aufwärmen, Einführen in das Thema

2) Hauptteil: Einarbeitung I – Schwerpunkt der Stunde, Lernen, erfahren, üben, trainieren sowie Einarbeitung II – Anwendung, Highlights, Abschluss des Schwerpunkts

3) Ausklang: Entspannung, Klärung von offenen Fragen

Insbesondere kamen heute zur Anwendung:

- ausführliche Erklärungen
- vormachen
- Probleme erfragen
- Zeit lassen
- Änderungen vornehmen
- ermutigen
- wiederholen
- Anweisungen geben
- Geräteumdeutung
- Raumorientierungspunkte geben
- Fragen zulassen

Die Methoden waren damit den vorher festgelegten Lernzielen angepasst.

Abschließend notierten wir zum Explorativen Lernen: wichtig, nicht vorzumachen.

Quelle: Outdoor-Fitness, Lehrgangstag 4

Über 90 Prozent unserer Kommunikation ist nonverbal, d.h. sie besteht aus den Signalen, die unsere Stimme mit den Worten hervorbring sowie aus Körpersprache, Mimik, Gestik, Kleidung, Abstand und/oder Berührungen. Wir können mit diesen Mitteln der Kommunikation unseren Teilnehmern Empathie und eine positive Wertschätzung übermitteln. Dabei sind wir den Teilnehmern gegenüber ehrlich und authentisch und begegnen ihnen auf einer Ebene (also niemals “von oben herab”, durchaus im wörtlichen Sinne zu verstehen.

Im Gesundheitssport holen wir jeden Einzelnen dort ab, wo er/sie sich gerade befindet.