Der Spielplatz gehört wieder uns!

Meine Freundinnen hatten im Vorfeld gewitzelt. „Die Rückeroberung des öffentlichen Raums“ stellten sie sich eher martialisch vor und bewaffneten mich gedanklich mit Schild und Schwert. Zu überwinden galt es dann aber zum Glück weder schlechtes Wetter noch einen inneren Schweinehund – dafür fand ich in mir ein glücklich strahlendes Kind, wieder zurück auf seiner Schaukel.

Martin Legge, unser Dozent für Freitag, den 09. August 2013, nennt sich „Stadtfinder“. Die Menschen, so erklärt er uns, muss man nicht für den Indoor-Sport erwärmen. Indoor ist sowieso immer alles warm und gemütlich. Aber die Menschen möchten gern etwas Besonderes erleben, das Abenteuer. Und dafür lassen sie sich gern weit fort verfrachten. Zum Klettern in die Lüneburger Heide. Zum Campen in die Berge. Warum kann man nicht in seinem Wohnviertel etwas erleben, indem man einfach nur vor die Tür tritt? Im Stadtteilprojekt „Langenhorn in Bewegung“ hat Martin schon einmal vorgemacht, wie das funktionieren kann. Die Senioren wurden auf einen Trainingsspaziergang geschickt, bei dem sie Gegenstände in ihrer Umgebung neu deuten und als seniorenkompatible Fitnessgeräte einsetzen konnten.

Aus dem Bericht des Hamburger Wochenblatts vom 10. April 2013:

„Ein eiserner Zaun als Stretching-Hilfe, Verkehrspoller oder Bänke als Beinmuskel-Dehnungsobjekte oder vielleicht eine Treppe als Step-Aerobic-Anlage – man könnte die profanen Accessoires einer Wohnsiedlung auch als Sportgeräte interpretieren. Mit solch witzigen Ideen will jetzt das für die Quartiersentwicklung zuständige Team die Menschen in der Siedlung in Bewegung bringen.”

Ein Trainer (r.) zeigt, wie eine Installation von Steinquadern für Stretching-Übungen genutzt werden kann. Foto: Martin Legge/pi /Hamburger Wochenblatt

Quelle (Zitat und Bild): http://www.hamburger-wochenblatt.de/fuhlsbuettel/lokales/bewegung-im-quartier-d203.html

Was für die Senioren recht, konnte für uns nur billig sein, fanden wir. Und so ging es nach ein paar einführenden Worten von Martin auch sofort vor die Tür. Buchstäblich. Und erst einmal gar nicht weiter.

Martin erobert den Eingangsbereich des Sportspass-Centers

 

In Shanghai tanzen die Menschen auf öffentlichen Plätzen oder in Parks. Warum tun wir das in Deutschland nicht? Nur, weil unsere Kultur uns sagt, dass das so nicht geht? Dann benötigen wir dringend eine urbane Bewegungskultur, die uns sagt, dass das sehr wohl funktioniert! Wenn sich die Verhältnisse ändern, wird sich auch das Verhalten ändern. Und welche Haltung braucht man, um den öffentlichen Raum zu erobern?

Vielleicht die Naivität und Experimentierfreude eines Kindes.

Und natürlich ein paar Geräte. Hier eine kleine Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten direkt vor der Haustür, die wir zum größten Teil in die Tat umsetzten:

 

 

Von Gully über Hecke bis zum blanken Boden - mit dem richtigen Blick wird aus unserer Umwelt ein einziger großer Trainingsparcours

 

Die Treppe – der perfekte Stepper!

 

 

Die Schaukel – ein vielseitiges Trainingsgerät. Am meisten Spaß bringt natürlich das Schaukeln!

 

 

Anhand des vorgestellten Karten-Sets “Playground Pump” (weitere Informationen dazu am Ende des Artikels) lassen sich aus der Schaukel noch weitere Übungen herausholen, hier der “Swing Knee Tuck”.

 

 

Perfekt umgesetzt hier eine weitere Kraftübung an der Schaukel:

 

 

Ein Stück weiter schlägt der Playground Pump für eine Bank oder ein kniehohes Geländer eine Kräftigungsübung für den Trizeps vor, den gefürchteten “Playground Bench Dip”.

 

 

Sieht doch schon sehr professionell aus, oder? Die Variante mit einem ausgestreckten Bein ist natürlich etwas für Fortgeschrittene. ;-)

 

 

Wir beschließen unser Outdoor-Playground-Training mit verschiedenen Spielen, teilweise direkt auf dem Asphalt.

 

"Die Wabe" ist ein Wurfspiel für zwei Mannschaften und locker angelehnt an die Regeln des Boule.

 

 

Insgesamt absolvierten wir:

- an der Treppe das Parcours-Springen

- an der Säule vor der Eingangstür verschiedene Kletter- und Hochzieh-Techniken

- an der Rampe einen Laufsteg- und einen Hindernislauf (in Kombination mit der Hecke)

- an der Rutsche 13 (!) verschiedene Kletterarten (ich sage nur Affe! Skorpion! T-Rex!)

- an der Schaukel die Übung “von 0 auf 100″, Fitness, Hotball und “nicht berühren!”

- am Gerüst Leitergolf und verschiedene Fitnessübungen

- an der Kante das Balancieren, die Übung “aneinander vorbei”

- auf dem Asphalt: Reifen-Curling, das Wabe-Spiel, Volleyball und die Einbeziehung der Tore

 

Nichts vergessen?

 

Eine gute Freundin verabschiedet sich für heute. Bald geht es weiter mit dem zweiten Teil des Wochenendes.

 

 

 

Das Kartenset “Playground Pump” kann hier direkt bestellt werden: