Dies ist ein Obwarzanek. Ich nenne die Obwarzanki "Kringel" und vermisse sie innig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich höre stundelang meine polnischen CDs. Ich backe Obwarzanki. Ich schreibe seitenlange Reiseberichte für meine Website. Ich sitze in meiner Freizeit am PC und schaue – natürlich völlig unverbindlich! – nach günstigen Flügen. Wizzair bietet da etwas an, von Dortmund nach Kattowitz. Und von Kattowitz aus sind es nur noch knapp 70 km bis nach Krakau.
Ich fürchte, ich habe Heimweh.

Ein zweiwöchiger Sprachkurs in Krakau sollte meine bis dahin eher rudimentären polnischen Sprachkenntnisse beleben. Meine Firma war begeistert und erteilte den diesbezüglich benötigten Bildungsurlaub ohne weitere Komplikationen. Die Reisekosten (hin mit dem Zug, zurück wollte ich den IC-Bus der Deutschen Bahn ausprobieren) beliefen sich auf weit weniger, als ich vermutet hatte. Ich kaufte einen großen, blauen Schalenkoffer, bepackte ihn ihn – und fuhr dann tatsächlich los in Polens heimliche Hauptstadt.

 

Marienkirche, Pferdekutsche und Rynek - das Herz der Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach welchen Kriterien wählt man einen guten Sprachkurs? Krakau wimmelt nur so von Kursanbietern aller Art. Man kann als Ausländer Polnisch sogar an der Universität studieren, die im Sommer spezielle Sprachkurse anbietet. Einige Anbieter haben sich auf Amerikaner spezialisiert, andere auf weitere Nationen as aller Welt. Die Unterrichtssprache ist in der Regel Englisch oder Polnisch.
Als ich vor ein paar Monaten recht wagemutig die Begriffe “Krakau Bildungsurlaub” googelte, erschienen die Seiten der PNTA in der Auswahlliste ganz vorn. Interessiert blätterte ich durch das Online-Angebot. Die Homepage gefiel mir – kein überflüssiger Schnickschnack, alle Infos kompakt dargestellt, und noch dazu ergänzt durch viele Testimonials von zufriedenen Schülerinnen und Schülern, die insbesondere die kompetente und herzliche Art der polnischen Mitarbeiter hervorheben. Wenig später konnte ich dies nur bestätigen: Auf meine mit tausend detaillierten Fragen gespickte Mailanfrage erreichte mich ein freundlich-ausführliches und geduldiges Rückschreiben, welches keine Fragen offen ließ: Zu Beginn des Sprachkurses würde ein Spracheinstufungstest stattfinden, nach dessen Ergebnis dann die Einteilung in Gruppen erfolge. Die Unterkunft im Doppelzimmer sei im Preis inbegriffen, gegen einen Zuschlag von 50 Euro sei auch ein Einzelzimmer möglich. Die Unterbringung erfolge in polnischen Familien. Selbstverständlich würde nach Anmeldung die erforderliche Bestätigung für den Bildungsurlaub umgehend zugeschickt. Ich könne in Zloty, aber natürlich auch in Euro bezahlen. Das Lehrwerk könne ich vor Ort kaufen, genauso wie eine Wochenfahrkarte für den Krakauer Nahverkehr.
Ich war überredet.

 

Kindheitserinnerungen werden wahr: Straßenbahn fahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Krakau: Meine Gastfamilie besteht aus Maria, 67 (Alter unter Vorbehalt, als sie mir ihr Alter mitteilte, waren meine polnischen Zahlen noch nicht ganz sattelfest) und ihrem Hündchen Kora. Kora erhält zweimal am Tag Ausgang und liebt es, zusammen mit den beiden Nachbarskatern über den Hof zu tollen. Bei mir macht Maria keine Vorgaben, ich kann kommen und gehen, wie ich will. Nur wenn ich komme, besteht Maria darauf, dass ich ihr kurz auf polnisch berichte, wo ich war und was ich gemacht habe. Das funktioniert zu meinem großen Erstaunen bereits nach wenigen Tagen – denn mein Sprachkurs ist nichts für Warmduscher. Dazu muss ich sagen, dass ich zu den Menschen mit “komischen Vorkenntnissen” gehöre: Ich spreche recht passabel Russisch, und ich habe in meiner Firma bereits ein paar Brocken Polnisch lernen können, diese Brocken natürlich sehr fachspezifisch. So kann ich zwar einen kompletten Autounfall auf Polnisch abwickeln, aber weder sagen, wie alt ich bin, noch erzählen, woher ich komme. Und wenn ich frei sprechen möchte, verfalle ich nach wenigen Worten unweigerlich ins Russische.
Ich bin sehr froh, dass dieses Problem meinen Lehrerinnen anscheinend nicht unbekannt ist! Nach dem Einstufungstest lande ich in einer sehr angenehmen Dreiergruppe. Unsere Sprachniveaus differieren leicht, aber unsere freundlich-resolute Sprachlehrerin hat das jederzeit im Griff. Von Anfang an stellt sie sich geschickt auf das jeweilige Niveau jedes Schülers ein, sodass die kleinen Unterschiede im Unterricht nicht hervortreten. Insgesamt gibt es während der zwei Wochen meines Aufenthalts vier Gruppen, eine größere Anfängergruppe und drei Gruppen mit unterschiedlichen Sprachniveaus. Alle vier Gruppen werden individuell unterrichtet, zusätzlich gibt es täglich um 11 Uhr eine Sprechstunde, die allen Schülern für ihre Fragen offen steht. Hier treffe ich auf die Schüler aus den anderen Gruppen und ziehe auch aus deren Fragen großen Nutzen.

 

In angenehmer Atmosphäre und in kleinen Gruppen lernen - beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Sprachstudium!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Unterricht gestaltet sich abwechslungsreich und von Anfang an recht arbeitsintensiv. Von nix kommt nix! Unsere Lehrerin gibt sich nicht damit zufrieden, uns die Grammatik der jeweiligen Lektionen einzutrichtern, sondern sie festigt diese auch gleich durch variantenreiche Übungen. Im Anschluss üben wir in Dialogen untereinander und trainieren mit Hilfe von Sprachaufnahmen unser Hörverständnis. Wir werden regelmässig dazu ermuntert, unbekannte Wörter mitzubringen, die wir zum Beispiel auf unserem Schul- oder Heimweg aufgeschnappt haben. So lerne gleich am Anfang ich die polnische Version der Media-Markt-Werbung: “Nie dla idiotów – nicht für Idioten” und erfahre, dass mit “Witam, Paul!” der äußerst beliebte Paul McCartney mit einem herzlichen “Willkommen” zu seinem Konzert in Warschau nächsten Monat begrüßt wird. “Dla psów i kotów” bringt dann den gefürchteten polnischen Genitiv Plural ins Spiel: Für Hunde und Katzen. Steht an einem Tierfuttergeschäft – und macht dort auch richtig Sinn.

 

Futter für Vögel, Hunde, Katzen und Fische - alle im Genitiv Plural!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch bei meiner Freizeitgestaltung leisten mir die Damen von der PNTA tatkräftige Unterstützung: Man telefoniert mit einem örtlichen Busunternehmen, um sich zu vergewissern, dass der Bus, den ich mir ausgesucht habe, mich auch tatsächlich in den kleinen nahe Krakau gelegenen Naturschutzpark Ojcow bringt – und vor allem: am Abend bitte auch wieder zurück! Wir diskutieren in der Sprechstunde DVD- und Musiktipps frei nach dem Motto, dass sich über Geschmack eben doch nicht streiten lässt. Meine Lehrerin sucht für mich einen kostenfreien Link zu Andrzej Waidas “Pan Tadeusz” im Netz heraus – und erteilt mir gleichzeitig Absolution, falls ich mich außerstande sehe, der Handlung zu folgen.
Viele der Empfehlungen habe ich mittlerweile umgesetzt, und damit mein schlimmstes Krakau-Heimweh im Schach halten können: Spielfilme auf DVD, das Sachbuch “Viva Polonia” von Steffen Möller, dem nach dem ehemaligen Papst bekanntesten Deutschen in Polen, und eine wundervolle CD mit Klezmer-Musik des Stargeigers Nigel Kennedy, die er zusammen mit der Krakauer Klezmer-Band Kroke eingespielt hat.
Kennezy! Klezmer! Kazimierz! Krakaus jüdisches Viertel kostete mich übrigens gleich mehrere Nachmittage.
Und einen Samstag.

 

Kazimierz übt eine magnetische Anziehungskraft aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Hausaufgaben habe ich in Krakau stets mit großer Sorgfalt erledigt. Und so konnte ich meinen Sprachkurs mit einem “bardzo dobrze” abschließen. Was kein Wunder war in einer so angenehmen und motivierenden Umgebung! Meine Zeit in Krakau hat mir nicht nur in punkto polnische Sprache zu völlig neuen Erkenntnissen verholfen – seitdem sehe ich auch unsere polnischen Nachbarn in einem völlig neuen Licht. Mir war vorher nicht klar gewesen, wieviel wir eigentlich gemeinsam haben – und wieviel Spaß man in polnischer Gesellschaft hat. Und in der zweitschönsten Stadt Europas.
Gleich nach Hamburg natürlich.

Knapp dreißíg Euro kostet der Flug. Im Oktober könnte ich wieder hin.

 

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